Eine multimediale Reise 4531km quer durch Europa

Das Projekt 4531km ging am 29. September 2014 auf eine 14-tägige Reise quer durch Mittel-, Ost- und Südeuropa. Das 12-köpfige Team, aus verschiedenen Bereichen der Kreativszene Berlins kommend, wird Organisationen, Kreative und UnternehmerInnen in acht verschiedenen Städten treffen. 

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Die TeilnehmerInnen nehmen keine RepräsentantInnenrolle ein, sondern partizipieren aktiv, knüpfen neue Netzwerke, werden Wissen vermitteln und vermittelt bekommen. Dies geschieht in Form von Experience Labs, Open Spaces, Workshops, Vorträgen und Interventionen. Die Gruppe wird in öffentlichen Räumen sowie im privaten, kleineren Rahmen unter anderem mit ExpertInnen, KünstlerInnen, InvestorInnen und GründerInnen in Kontakt treten. Die gemeinsamen Erfahrungen haben zwei Funktionen: Zum einen möchten sich die Reisenden untereinander besser kennenlernen und in einem produktiven und kreativen Umfeld gemeinsam an Ideen arbeiten. Zum anderen soll mit den AkteurInnen des Kreativ- und Wirtschaftsraums Mittel-, Ost- und Südeuropa in Dialog getreten werden und ein Erfahrungsaustausch stattfinden.

Der erste Halt ist Prag. Dort findet ein interaktives Kennenlernen in der Meetfactory, einem Zentrum für internationale, zeitgenössische Kunst und Kultur, statt. Danach geht es weiter nach Bratislava und Budapest. In jeder der insgesamt acht Städte bleibt die Gruppe nicht länger als 48 Stunden.

Die Eindrücke und Workshops werden über die eigenen Social Media Kanäle der TeilnehmerInnen dokumentiert und durch ein WordPress Plug-in auf der Website 4531km.eu gebündelt. Auch wenn noch unklar ist, ob in so kurzer Zeit längerfristige Projekte entstehen, besteht ein enormes Potential, das durch die verschiedenen Disziplinen, die hier zusammentreffen, gefördert wird. Darüber hinaus verfügen die TeilnehmerInnen über die Expertise, Wissen in kreativen und produktiven Arbeitsprozessen in kürzester Zeit zu verdichten.

Einer der Mitreisenden ist Andreas Gebhard, Gründer und Gesellschafter von newthinking und Geschäftsführer der re:publica GmbH. Wir haben Andreas ein paar Fragen zu 4531km gestellt.

Andreas GebhardWas ist 4531km in einem Satz?
Es ist eine Bustour durch Südosteuropa von Leuten, die in Berlin kreative Projekte machen, mit dem Ziel, neue Leute kennenzulernen, Orte zu besuchen und etwas für die europäische Vernetzung und Verständigung zu tun.

Ihr habt euch auf verschiedene Regionen Mitteleuropa, Südosteuropa und Vorderasien festgelegt. Warst du schon einigen Ländern, die ihr bereisen werdet und hast du eine Vorstellung davon, was dich erwartet?
Beides. Ich war schon in fast allen Städten, habe diese aber noch nie in so einem Zusammenhang bereist. Meistens waren es Urlaubsreisen oder thematische Austauschformate. Das interessante jetzt ist sicherlich, dass wir sehr stark dokumentieren, sowohl technologisch als auch Social Media seitig. Dadurch wird ein Gesamtbild des Zusammentreffens von Leuten aus Berlin und den unterschiedlichsten Leuten in den Regionen gezeichnet.

Wer sind eure PartnerInnen und welche Netzwerke nutzt ihr?
Ein paar Kontakte gibt es schon und diese werden wir auch nutzen. Zudem konnten wir viele Leute durch Kaltansprache erreichen. Einige haben sich über Social Media gemeldet und wir denken, dass durch die Tour ein verstärktes Interesse entstehen wird, in Austausch zu treten.

Vor welchem Treffen hast du besonders Respekt und warum?
Für mich wird es einen Gänsehautfaktor haben, wenn wir am 30. September in Prag sind. Der ehemalige Außenminister Hans Dietrich Genscher hat auf den Tag genau vor 25 Jahre die Ausreise von über 4000 DDR Botschaftsflüchtlinge verkündet. Das war einer der Meilensteine, der mit zur Wende geführt hat. Es wird interessant sein genau an dem Tag und vielleicht sogar zu der Uhrzeit in Prag zu sein. Schließlich hat das Europa und Deutschland nachhaltig verändert.
Ich bin auch auf den Standrundgang in Prag aus der Perspektive von Obdachlosen gespannt. Dieser geht der Frage nach, wie sich eine Stadt aus der Perspektive von Leuten anfühlt, die keinen festen Wohnsitz haben. Wenn man davor keinen Respekt hat, dann ist man irgendwie schief gewickelt.
In Budapest ist eine Woche später Bürgermeisterwahl. Da wird man anders in politische Zusammenhänge Einblicke haben. Da geht es auch ein bisschen um die politische Ausrichtung der Stadt in einem Moment, wo das Land nicht liberal regiert wird und so geht die Kette weiter. Das ist alles sehr sehr spannend und dicht, wovor ich Respekt habe. Einen konkreten Punkt herauszugreifen, würde dem vielfältigen Programm nicht gerecht werden.

Begreift ihr 4531km als politisches Projekt?
Wir interessieren uns für die politische Zusammenhänge und die Situation vor Ort, sehen uns aber nicht als RepräsentantInnen von irgendetwas. Aber das ist keine politische Tour: Wir wollen beobachten und schauen. Wir werden aber zurückhaltend sein und mit größter möglicher Vorsicht auftreten.

Habt ihr eine gemeinsame Zielsetzung als Gruppe und falls ja, wie lautet euer gemeinsamer Nenner? Welche persönlichen Ziele verfolgst du mit der Reise?
Mein Ziel ist, diesen spannenden Teamprozess zu erleben und mit diesen Dutzend Leuten in einem Bus zu sein. Das haben wir alle in der Form noch nicht gemacht und das ist eine neue Formatentwicklung. Der Hintergrund war zu sagen, man fährt mit Leuten, mit denen normalerweise die Zeit fehlt, sich länger als auf einen Kaffee, ein Mittagessen oder ein Bier zu treffen. Jetzt haben wir die Zeit.
Ein weiteres Ziel ist es, viele interessante Leute und Orte kennenzulernen, um in Zukunft vielleicht etwas zusammen auf die Beine zu stellen. Letztlich haben wir unsere Ziele fast schon erreicht: Wir haben für uns selber den Blick auf Städte und Regionen gelenkt, die vor unserer Haustür liegen, von denen wir aber normalerweise in den Medien nicht viel mitbekommen.
Natürlich möchten wir auch den Kopf frei bekommen für neue Projekte, weshalb wir uns für das Format der Worcation als Schnittstelle zwischen Arbeit und Urlaub entschieden haben: Leute treffen und Netzwerkveranstaltungen machen, ist nämlich nicht zwingend Freizeit. Das ist eine Form von Projekt oder Arbeit, aber wir wollen natürlich nicht nur eine Vorlesung an die andere reihen.

Ihr schreibt, dass ihr Interventionen und Partizipationsaktionen plant: Was kann man sich unter diesen Aktionen vorstellen und welchen Zweck erfüllen sie?
Da wir so ein breit aufgestelltes Team sind, gibt es unterschiedliche Schwerpunkte. Diese möchten wir abbilden, indem wir unterschiedliche Leute treffen. Es ist natürlich langweilig, wenn wir uns jeweils erzählen, was wir so machen und dann gehen wir wieder auseinander, deshalb wollen wir mit innovativen Formaten arbeiten, die im Gedächtnis bleiben und an die wir später anknüpfen können.
Wenn wir beispielsweise mit dem Impact Hub in Bukarest zusammenarbeiten, liegt der Fokus auf Social Entrepreneurship und soziale Entwicklung; wenn wir uns hingegen in Bratislava mit Schriftstellern treffen, werden wir eher einen intellektuellen Text und Erzählrahmen haben.
Es ist keine zentral kuratierte Tour: Jede/r hat geschaut: Was sind die spannenden Themen? – und daraus ist eine bunte Mischung aus Formaten, Orten und Leuten entstanden.

Zur Berichterstattung: Ihr könntet einfach einen Blog und einen Social Media-Kanal nutzen, was unterscheidet das Plug-in von einem gemeinsamen Kanal?
Wir werden auf der Website eine geographfische Karte anlegen. Jeder der Reisenden muss einen Account anlegen und dieser wird mit seinen verschiedenen Social Media Kanälen verbunden. Das Plug-in zieht sich dann die Informationen der einzelnen TeilnehmerInnen und stellt die Informationen grafisch nach Ort und Zeit auf einer Landkarte dar. Auf dieser wird angezeigt, zu welchen Zeitpunkt, wir uns wo befinden. Wir bündeln die neuen, multimedialen Kommunikationsformen und versuchen einen Schritt weiter zu gehen, um eine geographische Erzählweise technisch zu ermöglichen. Die Reise stellt also in zweierlei Hinsicht ein Novum dar.

Die Stationen

Prag – 29. – 30. September 2014
Bratislava – 1. Oktober 2014
Budapest – 2. – 3. Oktober 2014
Cluj-Napoca – 4. – 5. Oktober 2014
Bukarest – 6. – 7. Oktober 2014
Varna – 8. – 9. Oktober 2014
Istanbul – 10. – 11. Oktober 2014
Thessaloniki – 12. – 13. Oktober 2014

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