8. Investors Dinner – Ein Interview

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Am 29. Oktober lud das media.net berlinbrandenburg zum achten Investors Dinner ein. Dabei trafen 24 Start-ups im Rahmen eines Drei-Gänge-Menüs auf zwölf führende InvestorInnen und erhielten die Gelegenheit, ihre Geschäftsidee zu pitchen. newthinking ist Kooperationspartner des Investors Dinners und unter anderem an der Vorauswahl der Start-ups beteiligt. Wir haben unserer Geschäftsführerin Julia Gemählich ein paar Fragen dazu gestellt.


20141120_julia_240Julia, du vertrittst newthinking beim Investors Dinner. Aber du nimmst nicht nur am Dinner teil, sondern bist bereits im Vorfeld involviert. Was genau ist deine Aufgabe?
Die Aufgabe der Jurymitglieder besteht darin, die Unterlagen zu sichten, die von den Start-ups eingereicht werden, um am Dinner teilnehmen zu können. Das ist zum einen ein Bewerbungsbogen, in dem die TeilnehmerInnen angeben müssen, welchen Geschäftszweck das Start-up verfolgt, welchen USP [Unique Selling Point ~ Alleinstellungsmerkmal, Anm. d. R.] es hat, wie das Team personell strukturiert ist und gegebenfalls, wie der Markt aussieht, oder welche Partner es vielleicht schon gibt. Zudem können sie weitere Unterlagen, wie Pitch Decks oder Präsentationen mitschicken, in denen sie sich vorstellen.
Zum anderen besteht die Aufgabe darin, alles durchzuschauen und zu prüfen, wer für das Dinner als TeilnehmerIn geeignet ist. Das heißt wir schauen uns die Einreichungen zunächst jeder für sich an und treffen uns danach zu einer halbtägigen Jurysitzung. Dort tauschen wir uns über die Start-ups aus, stimmen ab und wählen damit die TeilnehmerInnen für das Investors Dinner aus.


Auf der Website des Investors Dinners heißt es, das Dinner richte sich an “technologieorientierte Start-ups” – was steckt hinter dieser Beschreibung?
Eigentlich werden alle Jungunternehmen angesprochen, die in irgendeiner Form eine technologische Lösung anbieten. Ob es also eine Plattform ist, auf der es um Kleidung geht, etwas Soziales, dass Menschen verbindet, oder Systeme sind, die wir in unserer Arbeits- oder Wohnwelt nutzen – all das verstehen wir unter einer technologischen Lösung. Was wir nicht suchen, sind UnternehmerInnen deren einziger Geschäftszweck es ist beispielsweise eine Gärtnerei oder ein Cafe zu betreiben.

Du hast bereits von den Unterlagen gesprochen, die die Start-ups einreichen müssen. Worauf sollten die BewerberInnen dabei deiner Meinung nach besonders achten? Hast du Tipps für die Bewerbung?
Ich glaube das Wichtigste ist, dass die Idee und das Produkt des Start-ups kurz und prägnant beschrieben sind. Auch jemand, der nicht aus dem Fachgebiet kommt, muss verstehen können, worum es geht und warum es eine Notwendigkeit gibt, das Produkt an den Markt zu bekommen. Die Idee des Start-ups kann noch so gut sein, wenn ich sie jedoch nicht verstehe, kann ich sie natürlich nicht bewerten. Werden beispielsweise in der Kurzbeschreibung sehr viele Fachbegriffe benutzt, dann fällt es mir natürlich schwerer zu verstehen, was Sinn und Zweck des Ganzen ist.
Deswegen glaube ich, ist es ganz wichtig “auf den Punkt” hin zu arbeiten. Man muss sich selbst fragen und bewusst machen: “Was will ich eigentlich vermitteln?”.
Sehr wichtig ist auch die Frage “Ist das eigentlich etwas, das der Markt und die NutzerInnen benötigen?” –  oder ist es das Thema schon “durch”.

Gibt es noch weitere entscheidende Kriterien bei der Bewertung der Start-ups?
Man sollte auf jeden Fall darauf achten ordentliche Unterlagen mitzuschicken. Neben dem standardisierten Bewerbungsbogen kann man ja noch eine weitere Datei mitschicken. Und wenn diese Datei lieblos runtergeschrieben ist, dann kann ich das nicht für gut bewerten. Wir hatten schon Bewerbungen von Start-ups, deren Idee wirklich gut war, aber die Unterlagen – ich muss das Wort benutzen – grottig aussahen. Solche Projekte kann ich einem VC [Venture Capitalist – RisikokapitalgeberIn, Anm. d. Red.], also einer Person, die darüber nachdenkt mit Geld in eine Firma einzusteigen oder sie zu unterstützen, nicht guten Gewissens vorstellen. InvestorInnen erwarten einen gewissen Geschäftsbetrieb – und dazu gehört eben auch, dass Unterlagen anständig eingereicht werden.

Das Investors Dinner findet nun zum achten Mal statt –  wie schätzt du die Bedeutung des Dinners ein? Hat sie sich im Laufe der vergangenen Jahre geändert?
Ja. Sie hat sich deutlich geändert. Ich glaube, dass das Dinner immer mehr an Einfluss gewinnt. Organisiert wird es von einer der Institutionen, die im Kreativbereich sehr wichtig ist und auch viele Veranstaltungen und Projekte unterstützt und durchführt, dem media.net berlinbrandenburg. Man sieht die gewachsene Bedeutung aber auch wenn man sich die VCs anschaut, die dort geladen sind: Das sind bekannte Namen. Dies gilt natürlich auch für meine Kollegeninnen und Kollegen: Die Jury ist sehr breit gefächert und wirklich mit namhaften Unternehmen besetzt.
Zum anderen kann man auch sehen, dass wir in eine immer stärkere Internationalisierung kommen. Es bewerben sich mehr und mehr Start-ups aus ganz Europa und nicht nur aus Berlin. Inzwischen ist auch die ein oder andere Universität dabei, die ihre eigenen Innovationscenter mitbringen. Damit steigt natürlich auch die Anzahl der Einreichungen. Deswegen würde ich sagen: Es ist eine sehr schöne, sich positiv entwickelnde Veranstaltung.

Hast du Wünsche oder Visionen für die Zukunft des Investors Dinners?
Ich finde, man darf nie an einen Punkt kommen an dem man sagt: Alles bleibt, wie es ist. Man sollte immer versuchen sich zu optimieren und zu schauen wie es weitergeht. Im Falle des Dinners würde ich sagen, dass es für die Start-ups zunächst einmal noch einfacher werden sollte, sich zu bewerben. Gleichzeitig sollten wir aber auch die Bewertungskriterien weiter schärfen. Ich glaube, dass es ein Anreiz für die InvestorInnen ist, an dem Abend zu kommen und sich Zeit zu nehmen, wenn sie wissen, dass die TeilnehmerInnen von einer Jury gewissenhaft ausgewählt wurden und da auch schon deren Know-How mit eingeflossen ist.
Was ich mir auch sehr gut vorstellen könnte ist, das Investors Dinner rotieren zu lassen, also darüber nachzudenken vielleicht mal ins Ausland zu gehen – aber unter dem Berlin-Brandenburger Dach. Einfach um auch dieses spannende Format noch bekannter zu machen. 

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Die neunte Ausgabe wird am 7. Mai 2015 stattfinden. Bewerbungsschluss zur Teilnahme ist der 8. Februar 2015Weitere Informationen findet Ihr hier: http://www.medianet-bb.de/

Foto cc by L.C. Nøttaasen