Leonardo Projekt: Innovative Media & Music Heritage Impacting Vocational Education

newthinking hat an einer zweijährigen EU Leonardo Partnerschaft teilgenommen, die wir im September 2013 mit einem Abschlussbericht beendet haben.

Diese zweijährige Partnerschaft vernetzte insgesamt sieben Partnerorganisationen:

Birmingham City University / Großbritannien
Contemporary Music Center
/ Irland
Foundation for Modern Education and Science
/ Bulgarien
Budapest University of Technology and Economics / Ungarn
New Music Labs / Niederlande
Tampere Vocational College
/ Finnland
newthinking communications GmbH / Deutschland

Inhaltlich ging es um einen Austausch zu den Themen:

1. Die Auswirkungen digitaler Medien auf die Musikwirtschaft, 2. Musik-kulturelles Erbe und 3. die Repräsentation und Integration beider Themenbereiche in die berufliche Bildung für die Musikwirtschaft.
Zusätzlich kristallisierte sich während der Partnerschaft 4. ein Austausch über Ausbildungsbedarfe aus der Praxis der Musikwirtschaft und dem Angebot an Forschung und Ausbildung auf akademischer Seite als zentrales Thema der Partnerschaft heraus.

Neben inhaltlichen Diskussionen und dem Einbringen von Best Practices zu den 3 Themenbereichen (Digitale Medien + Musikwirtschaft, Musik-kulturelles Erbe und Austausch zwischen Wissenschaft/Bildung und Praxis der Musikwirtschaft) auf unterschiedlichen Treffen, führte die Partnerschaft zu folgenden Ergebnissen:

  Ein aktiv kooperierendes Netzwerk von Organisationen und öffentliche Präsentationen der Perspektiven der jeweiligen Partner. Während der Partnerschaft wurden Beiträge der anderen Partner in die eigenen Trainings-Veranstaltungen und Konferenzen integriert. Zudem wurden auf lokaler Ebene Konsultationen mit VertreterInnen der Musikwirtschaft, Bildung in der Musikwirtschaft, sowie der Politik organisiert, in die die Partner ihre Perspektiven einbrachten.
  Eine Erweiterung der professionellen europaweiten Netzwerke aller Partner. Die Mobilitäten wurden in den meisten Fällen nicht nur dazu genutzt die Partnerinstitution kennenzulernen, sondern auch weitere relevante Akteure am jeweiligen Ort. Alle Partner mobilisierten ihre lokalen Netzwerke und stellten Kontakte für die teilnehmenden Partner zur Verfügung.
  Partizipative Erstellung eines Blogs, das die Beiträge der verschiedenen Partner zu den Diskussionen des Projekts dokumentiert bzw. weitergehende Ressourcen publiziert: www.immhive.org.

Im Folgenden geben wir einen kurzen Überblick über die Aktivitäten der Partnerschaft aus Sicht von newthinking.  Wer mehr Informationen zu den erwähnten Akteuren oder Inhalten wünscht, wende sich gerne an Andrea Goetzke: ago [at] newthinking.de

September 2011 – Birmingham

Kick Off Meeting für das Projekt. Das Treffen diente der Präsentation der Aktivitäten der verschiedenen Projektpartner und dem Kennenlernen. Die Themen und Pläne für die kommenden 2 Jahre wurden erstellt.

Besonders interessant war eine Musik-kulturelle Führung durch Birmingham, sowie der Besuch der Ausstellung Home of Metal, die Birminghams enge Verbindung mit der Entwicklung des Heavy Metal aufzeigte (v.a. mit den Birminghamer Bands Black Sabbath, Judas Priest und Napalm Death).

Bild: Zitat aus der Home Of Metal Ausstellung

November 2011 – Berlin

Zu dem von newthinking mitorganisierten #a2n_camp im Kater Holzig kamen einige der Projektpartner. Eins der zentralen Themen des #a2n_camp ist der Einfluss digitaler Medien auf neue Strategien in Musikwirtschaft und Musikkultur. Dies war auch das Thema, das newthinking inhaltlich in der Leonardo Partnerschaft besonders betreute.

Teil des Projektes war „Dissemination“ – ein Einbringen von Best Practices und besonderen Fragestellungen der Projektpartner in die eigenen Trainings, Konferenzen und weitere öffentliche Konsultationen.

Paul Long und Jez Collins von der Birmingham City University brachten auf dem #a2n_camp einen eigenen Talk an der Schnittstelle der beiden Themen digitale Medien und Musik-kulturelles Erbe ein: Popular Music as Cultural Heritage – Who will Preserve our Popular Music? Hier ging es um das Thema des Archivierens von Pop-kulturellem Erbe.

März 2012 – Tampere

Während des Besuchs des Tampere Vocational College organisierten wir einen inhaltlichen Austausch unter den Partnern zum Thema berufliche Bildung für die Musikwirtschaft. Interessant war hier besonders der Austausch zwischen Wissenschaft/Bildung und Einschätzungen über tatsächliche Bildungsbedarfe aus der Praxis. Die KollegInnen des Tampere Vocational College erklärten uns zudem das System der beruflichen Bildung in Finnland.

Wir besuchten des Weiteren einige Konzert Venues in Tampere und informierten uns über die Live Musikszene, sowie eine Ausstellung zum Wandel der Medien im Laufe der Zeit. Auf dem Rückweg hat Andrea Goetzke noch die zum Thema der Partnerschaft passende Ausstellung “Thank You For the Music – How Music Moves Us Ausstellung” in Helsinki besucht.

Bild: Tampere Vocational College
Bild: Die finnischen Partner des Tampere Vocational College
Bild: Ausstellung zum Wandel der Medien im Laufe der Zeit in Tampere
Bild: The Record is not Over Yet // Thank You For the Music – How Music Moves Us Ausstellung in Helsinki

September 2012 – Berlin

Wir luden die Projektpartner zur von newthinking mitorganisierten #a2n_werkstatt in der noisy Musicworld, im Rahmen der Berlin Music Week ein. Die #a2n_werkstatt ist ein zweitägiges Festival zur Weiterbildung von MusikerInnen und Menschen, die mit ihnen zusammenarbeiten. Es ging um ganz praktische Fragestellungen rund ums Musikmachen.

Die Veranstaltung war ein Beispiel für eine aus der Praxis heraus organisierte und informelle Weiterbildungsveranstaltung und daher vor allem für die Partner aus der Wissenschaft und dem Bildungssektor interessant. Jez Collins von der Birmingham City University sprach zusätzlich anlässlich der Mobilität auf der Berlin Music Week zum Projekt Cross Innovation.

Oktober 2012 – Budapest

Die Partner der Budapest University of Technology and Economics organisierten eine Vielzahl von Besuchen mit verschiedenen Akteuren sowohl der Musikwirtschaft als auch der akademischen und beruflichen Bildung in Budapest. Die Mobilität hat sehr dazu beigetragen die Herausforderungen und Besonderheiten der Musikwirtschaft in Ungarn und Osteuropa besser zu verstehen, sowohl aus geschichtlicher und kultureller als auch ökonomischer Perspektive.

Am Ort der Hangfoglalas Popular Music Convention wurden Treffen mit Org4Org, einem ungarischen Verband von MusikmanagerInnen, mit der Almost Famous Rock School und dem Gramofon Online Archiv organisiert. Des Weiteren haben wir verschiedene Einrichtungen der Musikwirtschaft in Budapest besucht: Das A38, ein kulturell orientiertes Musikvenue (Schiff) und das Büro des Lángoló Gitarók Musikmagazins.

Besonders interessant war auch die Führung durch eine Fotoausstellung der ungarischen Underground Szenen der 80er Jahre, bei der man viel über die Situation von beispielsweise Punk zu Zeiten vor der Wende lernen konnte. Zudem besuchten wir die Universität, an der die Projektpartner im Studiengang Kreativwirtschaft lehren.

Bild: Austausch zwischen den Projektpartnern an der University of Technology and Economics Budapest
Bild: Besuch der Fotoausstellung, zusammen mit den Studierenden der finnischen und bulgarischen Partner

Januar 2013 – Groningen

Anlässlich der Eurosonic/Noorderslag Konferenz und Showcase Festival fand ein Projekttreffen in Groningen statt. Der niederländische Partner New Music Labs lud KollegInnen der Academie voor Popcultuur in Leeuwarden zu einem Austausch mit der Gruppe ein. Die Akademie arbeitet in kleinen Gruppen, projektbasiert und sehr zentriert auf die individuellen Bedürfnisse und Interessen der Studierenden. Der Austausch über didaktische Methoden war sehr interessant.

Auf der Eurosonic Konferenz selbst besuchten wir verschiedene Vorträge und Diskussionen, darunter der sehr interessante Vortrag von Will Page / Spotify zur Entwicklung von Piraterie und Streaming oder auch ein Vortrag eines Kollegen der niederländischen Verwertungsgesellschaft, ebenfalls zum Thema Streaming und entsprechenden wirtschaftlichen Details.

Mai 2013 – Berlin

Emilia Barna von der Budapest University of Technology and Economics besuchte newthinking in Berlin. Wir unterhielten uns im Besonderen über den Austausch zwischen Wissenschaft/Forschung und Praxis in der Musikwirtschaft. Emilia berichtete beispielsweise von der Konferenz der International Association of the Study of Popular Music.

Ein Ergebnis des Treffens war die Einbindung einer Session zum Thema “Interdisziplinärer Wissenstransfer – Verbindung von Wissenschaft und Praxis in der Popmusik” in die von newthinking kuratierte Konferenz der Berlin Music Week. Die Diskussion wurde von Sandra Passaro organisiert, die Mitglied des Beirats der IASPM-D-A-CH ist. Zudem luden wir Emilia zum Wicked Solutions Lab on Creative Entrepreneurship im Vorfeld der re:publica 2013 ein. Da Emilia im Fachbereich Kreativwirtschaft in Budapest unterrichtet, war diese Veranstaltung für sie von besonderer Relevanz.

Auch die irischen Projektpartner vom Contemporary Music Center besuchten newthinking im Mai 2913 in Berlin. Wir brachten sie mit verschiedenen lokalen Akteuren zusammen. Thematisch reichte das für die CMC KollegInnen interessante Spektrum von Erfahrungen mit digitaler Archivierung von musikkulturellen Werken bis zu Festivals für neue und experimentelle Musik in Berlin. Zudem besuchten die irischen Projektpartner einige der in Berlin lebenden und arbeitenden irischen KomponistInnen, deren Arbeiten das CMC archiviert und promoted.

Juni 2013 – Dublin

Das Contemporary Music Center organisierte die Konferenz The Future of Music in the Digital World, in dessen Rahmen sich zeitgenössische irische KomponistInnen mit der Digitalisierung der Musikwirtschaft auseinandersetzten. Andrea Goetzke brachte ihre Erfahrungen in der Session I zu „Connecting with and reaching audiences“ ein. Zudem besuchten wir das CMC, das Werke zeitgenössischer irischer KomponistInnen archiviert und promoted. Ein Diskussionsthema war die Praxis der digitalen Archivierung und Lizenzierung von Musikwerken.

Bild: Andrea und Emilia von der Budapest University of Technology and Economics (Foto: Andrew Dubber)

Da wir uns von Seiten newthinking sonst eher mit populärer Musik beschäftigen, war dies ein interessante Gelegenheit, sich mit den Perspektiven von Akteuren der klassischen und neuen Musik zur Digitalisierung der Musikwirtschaft zu beschäftigen.

Juli 2013 – Birmingham

Mit den BCU KollegInnen in Birmingham organisierten wir ein vertieftes Arbeitstreffen, bei dem wir uns im Detail mit Bedarfen und Angeboten für berufliche Aus- und Weiterbildung in der Musikwirtschaft auseinandergesetzt haben.
Zudem ging es bei dem Treffen um Fragen hinsichtlich Stadtentwicklung und Politik zur Förderung von Kreativwirtschaft und beruflicher Bildung in diesem Zusammenhang sowie ein damit verbundener Vergleich der Städte Berlin und Birmingham.

Bild: Viel Leerstand an alter Bausubstanz in Birmingham – ein Thema unserer Diskussion zum Thema Stadtentwicklung und Entwicklung von Kreativwirtschaft

Im zweiten Teil der Mobilität besuchten wir Kieran Connel von der School of History and Culture der Birmingham University. Kieran arbeitet an einem Projekt zur Untersuchung der Auswirkungen des Birmingham Centre for Contemporary Cultural Studies, das in den 60er Jahren den damals neuen Begriff der Cultural Studies prägte. Wir konnten das Projekt mit Akteuren in Deutschland in Kontakt bringen, die zu den Arbeiten des CCCS in deutscher Sprache publizierten und von denen das Projekt daher noch nicht wusste.

Juli 2013 – Varna

Zusammen mit den KollegInnen der Foundation for Modern Education and Science setzten wir uns mit den Besonderheiten der Musikwirtschaft einerseits und der beruflichen Bildung andererseits, in Bulgarien und dem Schwarzmeer-Raum auseinander. Die bulgarischen PartnerInnen sind an einem Projekt zum kulturellen Austausch zwischen den Ländern Bulgarien, Türkei, Rumänien, Armenien und Georgien beteiligt. Sie brachten Informationen und Videomaterial aus den Ländern in das Treffen ein. Über Videoaufnahmen eines Festivals lernten wir Aspekte Musik-kulturellen Erbes aus den verschiedenen Schwarzmeer-Ländern kennen.

Bei dem Gespräch ging es auch um die Möglichkeiten der internationalen Kooperation mit der bulgarischen Musikwirtschaft und wir konnten die KollegInnen z.B. auf eine in Berlin lebende bulgarische Künstlerin aufmerksam machen. Die Mobilität nach Bulgarien war insofern besonders interessant für uns, als dass wir mit der Schwarzmeer-Region bisher nicht gut vertraut waren und viele neue Erkenntnisse und Ideen von dort mitnehmen konnten.

Bild: Stadtbild in Varna
Bild: Stadtbild in Varna
Bild: Die Strandbars verwandeln sich abends in Clubs mit Livemusik, wo z.B. Chalga gespielt wird
Bild: Besuch des Jazzfestivals im Hof des Archäologischen Museums in Varna